Borkum:
Erstausstellung „Abgehoben“ der Malerin Barbara Knels
Von Ellen Ruhnau borkumer-zeitung.de
Es sei vorweg gesagt: Wer wie Barbara Knels als zum ersten Mal ausstellende Malerin das große Glück hat, zu Beginn ihrer Vernissage einen solch exzellenten Deuter ihrer Bilder zu finden wie Pastor Joachim Janssen, der am letzen Samstag im Foyer der Kulturinsel ihre Ausstellung „Abgehoben“ eröffnete, darf ganz sicher sein, künftig in der aktuellen Borkumer Kunstszene eine wesentliche Rolle mitzuspielen. Wann hört man einmal eine solch durchdachte, fantastisch informative und vielschichtige Beleuchtung der vielleicht auf den ersten Blick postmodern wirkenden Malerei, der bekanntlich die Ferne von Realität wichtig ist, um die wahren Werte unseres Daseins weitgehend zu entthronen. Dieser keineswegs zutreffende Eindruck wurde von dem Redner bei der Borkumer Autodidaktin auf beeindruckende Weise verifiziert und ad absurdum geführt. Ihre Kunst, sich malerisch auszudrücken, bewirkt nach seinen Worten nämlich das genaue Gegenteil und spiegelt deutliche Merkmale ihrer ganz persönlichen Identität wider. Bei dem dann von ihm gezeichneten enorm positiven Charakteristikum, wies er auf die ungewöhnliche Beobachtungsgabe und Ausdrucksstärke der Malerin hin, die er bei aller abstrakten und kontroversen Darstellungsweise glorifizierte, weil es ihr gelungen ist, den Sinn ihrer Kunst darin zu sehen, mit den Betrachtern ihrer Werke zu kommunizieren, mit ihnen Dialoge zu führen sowie Gemeinsamkeiten aufzudecken und gedankliche Grenzen fließend zu machen oder abzubauen. Ich kam mit der Malerin ins Gespräch und erfuhr, dass sie zu ihrer Arbeit weder eine Staffelei noch unterschiedlichste Malutensilien gebraucht. Sie hat sich ganz der Tintentechnik auf Papier verschrieben, sprüht vor Ideen und versprüht unglaublich leuchtende Intensivfarben, um ihre Bildideen als Reflexionen ihrer Gedanken, Gefühle und Träume umzusetzen.
Dabei gelang es ihr, ihren ganz individuellen Stil zu finden und einen eindeutigen Wiedererkennungswert sichtbar zu machen. Neben einigen Bildern, die nicht in ihrer heutigen Umgebung angesiedelt sind, löste bei den zahlreich erschienenen Borkumer Besuchern vor allem ein hoch interessanter Zyklus bekannter insularer Bauwerke Begeisterung aus. Ob es der Alte Leuchtturm, der Neue Leuchtturm, der Wasserturm oder die beiden Kaaps sind, sie alle wurden Motivgeber, die sie auf einmalige Weise in ihren Prozess des Malens einband. Ihre Phantasie, so sagt sie, beflügele sie, wenn sie sich im Augenblick des Malbeginns konzentriere und ihre Malreise je nach Stimmung beginne. Es ist erlebenswert, die verborgenen Seiten ihrer ganz individuellen Befindlichkeiten, vielleicht auch ihrer Sehnsüchte, aufblühen zu sehen. Sie entdeckt beispielsweise bei ihren eigenwilligen Kompositionen sowohl das Vordergründige in der weitreichenden Inselnatur voller Sonne und Heiterkeit, erhebt sich aber auch darüber hinaus, weist auf den Sternenhimmel und öffnet mit dem Feuer der Leidenschaft Hintergründiges im modernen Weltgeschehen. Dabei schwankt sie in ihrer Malweise offensichtlich zwischen kontrolliertem und zufälligem Tun und lässt sich dabei gern auf die von innerer Dynamik gesteuerten Zufälligkeiten ein. So beginnt der Reiz des Experimentierens mit Formen und Farben, die gewöhnliche Darstellungsgrenzen wesentlich überschreiten. Mit malerischem Impetus wechselt sie im Umfeld der Hauptmotive zu einer aufregenden Detailmalerei, die an Buntheit und Symbolik kaum zu überbieten ist. Der Betrachter trifft auf einen Schwarm von unzähligen Farbpartikeln und winzigen grafischen Formen, die sich in einen spannenden Zusammenhang bringen lassen, aber auch mystisch verschlüsselte Rätsel aufgeben. Ihre expressiven Intensivfarben, vorwiegend rot, gelb, blau, bestimmen die Bildstruktur und sprechen in ihrer Leuchtkraft von viel Spontaneität, gepaart mit ästhetischemAnspruch. Sie lösen beim Betrachter sowohl Emotionen als auch Assoziationen aus, wenn man sich auf die ganz spezifische Bildwelt der kreativen Malerin Barbara Knels einlässt. Man sollte sich viel Zeit nehmen, um die vielen temperamentvollen Akzente ihrer Kunstwerke zu entschlüsseln.

